76. Das Ende der Geschichte von Lotti und Josi

Unsere gemeinsame Lebensgeschichte ist zu Ende erzählt. Was mir jetzt noch bleibt ist der zaghafte Versuch, anderen Betroffenen einen sachlichen Überblick über die Krankheit und die verschiedenen Formen zu verschaffen und über Betreuungsmöglichkeiten sowie über die wichtigsten Daten der Pflegeversicherung zu sprechen. Natürlich findet man zu allen Bereichen umfangreiches Informationsmaterial im Internet und Broschüren, die man sich beispielsweise bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bestellen kann. Mittlerweile gibt es auch in fast jeder Stadt in Deutschland Demenzinitiativen, an die man sich wenden kann und auch wenn der erste Schritt dorthin schwer fällt, sollte man ihn machen, denn erst wenn man gut informiert ist, lassen sich viele Fehler im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen vermeiden und man schont seine eigenen Nerven, die ihr noch reichlich brauchen werdet. Was mir auch wichtig ist Euch mitzugeben ist, dass ihr keine Versager seid und euch ganz sicherlich nicht schämen müsst, wenn als letzter Ausweg eine betreute Einrichtung zur Debatte steht. Noch Anfang letzten Jahres habe ich laut herum getönt, dass mein Mann niemals in ein Heim käme und nur durch den Druck der ganzen Familie habe ich mir, wenn auch sehr widerwillig, beizeiten verschiedene Einrichtungen angeschaut. Im Nachhinein gesehen, war das eine sehr gute Entscheidung. Also nicht erst losrennen, wenn es kurz vor Zwölf ist, sondern sich ganz in Ruhe umschauen und wenn euch ein Heim besonders zusagt, am besten gleich auf die Warteliste setzen lassen, auch wenn das Thema zu diesem Zeitpunkt noch nicht akut ist. Wie ihr bei mir lesen konntet, musste ich von jetzt auf gleich eine Entscheidung fällen und am Ende war ich meiner Familie dankbar, dass sie mich so frühzeitig zum Handeln gezwungen hatte. Euch muss allerdings klar sein, dass ihr die Fürsorge und Verantwortung für eure Angehörigen nicht an der Heimtür einfach abgeben könnt. Ihr bleibt weiter in der Pflicht und auch die Sorgen bleiben, aber ihr habt die Chance, euch wenigstens körperlich zu erholen und wieder Kraft zu tanken, weil ihr euch nicht mehr 24 Stunden am Tag um den Betroffenen kümmern müsst. Viele von euch haben ja auch noch Kinder, Ehepartner und/oder Berufe, was eine Betreuung noch schwieriger gestaltet. Seid also bitte nicht zu tapfer und denkt nicht zu lang „ich schaffe das schon“.Traut euch, alle Hilfe anzunehmen, die ihr kriegen könnt und seid mutig und offen für alle Betreuungsalternativen, die sich anbieten. Ein krankes Nervenbündel zu sein hilft weder euch und ganz sicherlich nicht dem an Demenz erkrankten Menschen.

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