77. Demenz & Co.

Wenn sich ein Angehöriger im Laufe der Zeit etwas merkwürdig benimmt, kommt man natürlich nicht sofort auf die Idee, dass das der Beginn einer Demenz sein könnte. Erst wenn weitere Auffälligkeiten im Verhalten des Betroffenen hinzukommen, werden wir stutzig und schleppen unsere Liebsten zum Arzt. Wenn man Glück hat, wird man gleich weiter an einen Neurologen oder Psychologen überwiesen, die allerlei Tests durchführen und dann hört man zum ersten Mal etwas von primärer, sekundärer oder vaskulärer Demenz, von Alzheimer oder dem Korsakov-Syndrom. Wir erfahren, dass die Erkrankung nicht heilbar ist, bekommen vielleicht noch ein paar Prospekte in die Hand gedrückt oder werden zu einem Internisten geschickt, der den Stoffwechsel untersuchen soll. Ansonsten dürfen wir mit der traurigen Diagnose nach Hause gehen und wenn wir uns gut mit dem Internet auskennen, werden wir uns natürlich sofort an unseren Computer setzen um erst einmal herauszufinden, was die ganzen Begriffe der unterschiedlichen Demenzformen eigentlich bedeuten. Ich bin sicherlich nicht die Einzige, die jahrelang glaubte, dass Demenz und Alzheimer ein und das selbe bedeuten, aber Demenz ist nicht gleich Demenz, auch wenn sich die Anzeichen oft ähneln. Allgemein wird eine Rückbildung des Gehirns als „Demenz“ bezeichnet. Auslöser können ganz unterschiedliche Erkrankungen der Nervenzellen sein, bestimmte Stoffwechselstörungen, eine genetische Veranlagung, ein Schlaganfall oder leider auch unerklärliche Ursachen. Darüber hinaus wird eine genaue Zuordnung erschwert, weil sich verschiedene Demenzformen auch mischen können. Natürlich könnte man nach der niederschmetternden Diagnose sagen, „es ist mir egal, an welcher Form der Demenz mein Mann oder mein Vater leidet, es ist so oder so einfach nur furchtbar“. Verständlich ist diese Einstellung, aber wenn ich mehr Details weiß, kann ich mehr Verständnis für das Verhalten des Betroffenen aufbringen und in Folge auch besser mit ihm umgehen. Ich rege mich nicht mehr unnötig auf, weil ich denke, dass der Angehörige sich extra unangebracht verhält, um mich zu nerven, sondern er macht bestimmte Dinge, weil er nicht anders kann. Wenn ich das verstanden und akzeptiert habe, ist wenigstens schon einmal ein Stressfaktor vom Tisch und oftmals gestaltet sich danach auch der Alltag etwas leichter, weil der Betroffene entspannter ist, wenn wir ihn nehmen, wie er ist und ihn nicht ständig auszanken und kritisieren, weil er sich merkwürdig benimmt.
Ehe ich ins Detail gehe, sei grundsätzlich noch vorab gesagt, dass es primäre Demenzen und sekundäre Demenzformen gibt. Primäre Demenzen sind solche, bei denen der Krankheitsprozess direkt im Gehirn beginnt und nach heutigem Wissensstand nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Hat die Demenz eine andere Grunderkrankung zur Folge, dann spricht man von einer sekundären Demenzform. Auslöser können beispielsweise Stoffwechelstörungen, Depressionen, Hirntumore, Vitaminmangel oder auch Vergiftungserscheinungen durch Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch sein. Teilweise sind diese Grunderkrankungen zu behandeln.

Zu den häufigsten Demenz-Erkrankungen gehören:
Alzheimer Demenz
Lewy-Körperchen-Demenz
Vaskuläre Demenz
Frontotemporale Demenz

Alzheimer-Demenz:
Die Alzheimer-Krankheit ist eine hirnorganische Krankheit, die nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer benannt ist, der sie erstmals im Jahr 1906 wissenschaftlich beschrieb.
Alzheimer macht circa 70 % aller Demenzerkrankungen aus. Der Nervenbotenstoff Acetylcholin im Gehirn ist stark vermindert, wodurch es zu einer Störung der Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen kommt. Wenn ich einem Kind diese Störung im Gehirn erklären müsste, dann würde ich ihm ein Handy mit Akku in die Hand drücken und sagen: „Schau, wenn du den Akku nicht regelmäßig auflädst, ist er irgendwann leer und du hast zwar immer noch ein Handy, kannst aber nicht mehr telefonieren.“ Natürlich sind die Vorgänge im Kopf eines Alzheimer-Patienten um ein tausendfaches komplexer, aber immerhin haben jetzt auch die Enkel eine Idee, warum sich die Oma oder der Opa ganz anders benehmen, als früher. Denn zum Krankheitsbild gehören Probleme mit dem Gedächtnis und der Orientierung, dem Denk- und Urteilsvermögen sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Natürlich sind die Störungen bei den Betroffenen sehr unterschiedlich ausgeprägt und nehmen im Verlauf der Erkrankung zu.

Der Anfang
Im frühen Krankheitsstadium von Alzheimer-Demenz steht die Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses im Vordergrund. Die Erkrankten können sich den Inhalt von Gesprächen nicht mehr merken, finden abgelegte Gegenstände nicht wieder und haben Wortfindungsstörungen. Den Kranken ist zu diesem Zeitpunkt oft noch sehr bewusst, dass sie etwas vergessen haben und sie sind verwirrt, weil andere Menschen Dinge behaupten, an die sie sich nicht mehr erinnern können. Das wirkt bedrohlich für sie und es kommt häufig zu peinlichen Situationen, die wir alles sehr gut kennen. Je nach Persönlichkeit reagieren die Erkrankten depressiv, aggressiv, abwehrend oder mit Rückzug. Sehr oft versuchen sie die Fassade ihres früheren Lebens aufrecht zu erhalten, was natürlich sehr gut nachvollziehbar ist. In diesem Stadium sind die Betroffenen bei Alltagsaufgaben oft noch weitgehend selbständig. Lediglich komplizierte Tätigkeiten können sie nur mit Hilfe ausführen. Die Fähigkeiten, Urteile zu fällen und Probleme zu lösen, sind zwar eingeschränkt, aber noch nicht ganz aufgehoben. Gerade aus diesem Grund müssen Betroffene in diesem Krankheitsstadium unbedingt an den Entscheidungen, die ihre Behandlung und Betreuung angehen, beteiligt werden. Es ist wichtig, dass sie Wertschätzung und Respekt erfahren und dass sie spüren, dass wir sie so lieben, wie sie sind, dass wir sie nicht verbiegen wollen und dass wir sie und ihre Meinung ernst nehmen. Wenn wir das als Angehörige oder Pflegende schaffen, haben wir einen glücklicheren Mensch mehr auf dieser Welt.
(Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft)

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