78. Einwenig trocken, aber wichtig zu wissen!

Die Lewy-Körperchen-Demenz ist wesentlich seltener als die Alzheimer-Demenz, gilt aber mit bis zu 20 % zur zweitgrößten Demenzform im Alter. Der deutsche Nervenarzt Friedrich Lewy beschrieb 1912 erstmalig die Krankheitssymptome. Die Nervenzellen vor allem in der Großhirnrinde und im Hirnstamm werden bei dieser Demenzerkrankung zerstört. Neben einer fortschreitenden Gedächtnisstörung zeigen die meisten Erkrankten auffällig starke Schwankungen ihrer geistigen Fähigkeiten, in ihrer Aufmerksamkeit und in ihrem Konzentrationsvermögen. Schon in der frühen Phase leiden die Betroffenen häufig unter optischen Halluzinationen, die sehr detailreich sind und immer wiederkehren. Meist sehen sie Menschen oder große Tiere. Manche berichten auch von akustischen Halluzinationen, so werden Stimmen, Musik und Geräusche gehört. Bei einem Teil der Patienten zeigen sich motorische Parkinson-Symptome. Dazu gehören eine Versteifung der Muskeln, Zittern der Hände auch im Ruhezustand, ein vornüber gebeugter und kleinschrittiger Gang, verlangsamte Bewegungsabläufe, unsichere Körperhaltung mit Neigung zu Stürzen sowie eine Erstarrung der Mimik. Charakteristisch sind ferner heftige Bewegungen während der Traumphasen des Schlafes, die zu Verletzungen führen können. Wie bei anderen Demenzen leiden viele Erkrankte unter Depressionen. Besonders häufig und relativ früh kommt es zu Kreislaufstörungen, insbesondere zu einem zu niedrigen Blutdruck, der sich beim Aufstehen und längerem Stehen negativ auswirkt. Die Patienten stürzen häufig und verlieren plötzlich für mehrere Minuten das Bewusstsein. Wie bei anderen Demenzerkrakungen auch, verlieren sie zunehmend die Fähigkeit, sich im Alltag zurecht zu finden. Die Sprache ist erst im späteren Verlauf beeinträchtigt. Durch die Sturzneigung werden die Patienten immobil und dann bettlägerig. Im Endstadium kommen Schluckstörungen hinzu.
Vielfach wird diese Art der Demenz-Erkrankung nicht richtig erkannt beziehungsweise falsch diagnostiziert und sie bedeutet speziell für pflegende Angehörige durch die psychotischen Symptome und der vielen körperlichen Probleme der Patienten eine enorme Belastung und große Herausforderung.

Vaskuläre Demenz
Diese Demenzform soll ungefähr einen Anteil von 10 bis 15 % aller Demenzerkrankungen ausmachen. Von einer vaskulären Demenz ( lateinisch vaskulum: kleines Gefäß) spricht man dann, wenn das Gehirn zu wenig durchblutet wurde und demzufolge die Nervenzellen kurzfristig oder über einen längeren Zeitraum hinweg mit zu wenig Sauerstoff versorgt waren. Durch den Sauerstoffmangel werden Nervenzellen geschädigt, beziehungsweise sterben sie ab. Verantwortlich für die Durchblutungsstörungen sind kleine Schlaganfälle, also krankhafte Veränderungen der Gefäße. Natürlich ist es vom Ausmaß der Durchblutungsstörungen abhängig, wie ausgeprägt die Demenz ist. Besonders tückisch sind kleine Hirnschläge, die sich mehrfach wiederholen, weil sie häufig unbemerkt bleiben.
Vaskuläre Demenz beginnt meist schleichend und ist schwer von einer Alzheimer-Krankheit zu unterscheiden. Allerdings sind die Symptome doch etwas anders, weil im Vordergrund nicht die Gedächtnisstörungen stehen, sondern Denkschwierigkeiten, eine Verlangsamung oder auch starke Stimmungsschwankungen. Eine vaskuläre Demenz ist ebenfalls nicht heilbar, allerdings können die Risikofaktoren behandelt werden. Dazu gehören: Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen.

Frontotemporale Demenz
„Frontotemporal“ ist ein medizinischer Fachbegriff und bezeichnet nur den Ort im Gehirn, wo die Rückbildung beginnt. Oftmals wird der Begriff auch einfach abgekürzt: FTD. Bei dieser Demenzform gehen Nervenzellen aus dem Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns, die für Gefühle und erlerntes soziales Verhalten zuständig sind, allmählich zugrunde. Von FTD sind jüngere Menschen betroffen als bei der Alzheimer-Erkrankung. Zu Beginn der Erkrankung fallen erst einmal Veränderungen der Persönlichkeit sowie des zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Typisch dafür sind etwa eine ungewohnte Aggressivität, Taktlosigkeit, maßloses Essen aber auch Teilnahmslosigkeit oder Verwahrlosung. Im Verlauf der Erkrankung entwickeln sich Störungen der Sprache, die am Ende zur völligen Verstummung führen können. Später kommt es auch zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses, die aber für einen längeren Zeitraum nicht so stark ausgeprägt ist wie bei der Alzheimer-Krankheit. Die Fähigkeit, den Alltag alleine zu bewältigen nimmt dagegen rasch ab.
Für Angehörige, die mit einem an FTD leidenden Betroffenen zusammenleben, bedeutet es wahrlich eine enorme Belastung und eine sehr große Herausforderung, den Alltag gemeinsam zu stemmen. Vor allen Dingen sind es die Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressionen, enthemmtes Verhalten und die Unberechenbarkeit der Patienten, die den Angehörigen zu schaffen machen und sie vor eine schier unlösbare Aufgabe stellen. Ihre Trauer, Überforderung und Verzweiflung, die sie bei der Persönlichkeitsveränderung ihrer Liebsten empfinden ist mehr als nachzuvollziehen.
(Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft)

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