80. Wie läuft das mit der Pflegeversicherung?

Pflegen Sie einen demenzkranken Angehörigen, werden Sie ab einem bestimmten Zeitpunkt Hilfe und Unterstützung benötigen. Am schnellsten erhalten Sie diese, in dem Sie bei der Pflegekasse – Sie erreichen sie über die Krankenkasse – des Pflegebedürftigen anrufen und um einen formlosen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung bitten. Die Pflegekasse schickt Ihnen daraufhin ein Antragsformular zu, was Sie ausfüllen und zurückschicken. Zur Antragstellung ist kein ärztliches Attest notwenig, es kann jedoch hilfreich sein, wenn Sie die Kopie eines Arzt- oder Krankenhausberichts beilegen. Fühlen Sie sich mit dem Ausfüllen des Formulars überfordert oder wollen sie generell einmal wissen, wie sich die häusliche Pflege für Sie entlastender gestalten könnte, haben Sie ein Anrecht darauf, einen Pflegeberater um Hilfe zu bitten. Er kommt zu Ihnen nach Hause und berät Sie unentgeltlich und wird Ihnen einen individuellen Unterstützungsplan erstellen. Darüber hinaus wird er Sie über geeignete medizinische, pflegerische und soziale Hilfe vor Ort informieren. Nach dieser Beratung werden Sie sich erheblich besser fühlen, weil Sie eventuell zum ersten Mal spüren, dass Sie mit Ihren Problemen nicht alleine sind. Nachdem Sie nun den Antrag an die Pflegekasse zurückgeschickt haben, wird sich innerhalb weniger Wochen der Medizinische Dienst der Krankenversicherung bei Ihnen melden und einen Termin für einen Hausbesuch vereinbaren. Der Medizinische Dienst ist eine unabhängige Einrichtung, die weder durch die Pflegekasse noch durch andere Organisationen kontrolliert wird. Er ist jedoch gebunden an die bundesweit einheitlichen Begutachtungsrichtlinien und sie legen die Vorgehensweise bei der Begutachtung verbindlich fest. Darüber hinaus beschreiben sie eingehend, welcher Hilfsbedarf zu welcher Pflegestufe führt. Der Gutachter, der nun zu Ihnen nach Hause kommt, wird das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit des Erkrankten einschätzen und dann der Pflegekasse die Einstufung in die entsprechende Pflegestufe bzw. Pflegegrade vorschlagen.
Bis zur Pflegereform 2016/2017 gab es speziell für Angehörige, die einen Demenz-Kranken pflegten, das große Zittern, wenn sich der MDK ankündigte, denn die Angst war da, dass der Gutachter den Aufwand der Pflege nicht gänzlich anerkennen und somit auch keine Empfehlung für eine Pflegestufe aussprechen würde. Ein Horror für die Betroffenen war dabei in erster Linie die minutengenaue Messung für den täglichen Mindestbedarf an Hilfe, bei der für die Pflegestufe I neunzig Minuten nicht unterschritten werden durften. Natürlich gibt es auch künftig bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um einen Pflegegrad zu erfüllen, weshalb es weiter wichtig bleibt, sich gut auf den Besuch eines Gutachters vorzubereiten.

Kopieren Sie alle wichtigen medizinischen Dokumente zu der Erkrankung und den Vorerkrankungen und geben Sie diese dem MDK mit, ebenso eine Liste der behandelnden Ärzte und Therapeuten.

Führen Sie über ca. 1 Woche eine Pflegetagebuch und schreiben Sie alles auf, was mit der Pflege und Betreuung des Betroffenen zu tun hat, lassen Sie nichts dabei aus, auch die Beaufsichtigung und Anleitung gehört dazu. Es ist auch für Sie wichtig einmal zu lesen,wie viel Zeit Sie tatsächlich täglich benötigen, ihre Liebsten zu betreuen. Vordrucke für Pflegetagebücher können Sie im Internet herunterladen, bei der Pflegekasse oder beispielsweise auch bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft anfordern.

Halten Sie alle Hilfsmittel bereit wie Rollstuhl, Rollator usw.

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